Vorgestern Abend wurde ich an ein Thema erinnert, das früher ein großer Bestandteil von mir war und das ich inzwischen eigentlich schon vergessen habe.

Zusammen mit Freunden war ich nach einem Weinfest auf dem Weg zum Bahnhof. Ursprünglich waren wir in getrennten Gruppen unterwegs gewesen, eigentlich kannte ich drei der Mädchen auch nicht und mit deren Begleiter, der die Verbindung zwischen uns herstellte, hatte ich seit Wochen nicht geredet. Wir hatten uns auch fast nicht gesehen und wenn dann nur sehr kurz..

Wir saßen nun also alle am Bahnhof auf dem Boden, einige leicht angetrunken und während des Gesprächs, erzählte eines der Mädchen eine kurze Anekdote. Nichts Großartiges. Sie wäre eigentlich in der 12. Klasse, war aber ein Jahr im Ausland gewesen. Meine Gedanken ginge sofort zu einem „Wetten du heißt Lisa und warst in Australien?“ und so leid es mir tut, ich verurteilte sie ein Stück weit. Als ich zu ihr hinüberschaute änderte sich alles, denn ihr Blick erinnerte mich an etwas. An mich selbst.

„Ich habe immer so schreckliches Fernweh.“

Der Satz endete in einem Strudel von Gedanken meinerseits. Ein Thema, welches früher täglicher Bestandteil meines Lebens war, hatte ich vergessen. Es war für Monate weg gewesen.

Ich habe mich nie in meiner Heimatstadt zuhause gefühlt. Fast nie habe ich es vermisst und angekommen bin ich genauso wenig. Einmal habe ich nach dem Urlaub das Ortsschild gesehen und fast geweint, da es in mir ein Gefühl von Heimat auslöste. Soweit meine Erinnerung zurückreicht war das auch das einzige Mal und ich habe 13 Jahre in dieser Stadt gelebt. Und mich jeden Tag weggesehnt.

Seitdem ist viel passiert, meine Gedanken haben einen großen Umschwung erlebt und ich fühle mich mehr zuhause, geborgener. Ich denke schuld daran ist Einiges, die 2 Gründe die mir als erstes in den Kopf geschossen waren sind Folgende:

  1. Mein Freund. Ich bin seit etwa 1 ½ Jahren in einer festen Beziehung und er hilft mir, anzukommen. Ohne ihn wäre ich nicht wo ich heute bin und würde nicht so fühlen, wie ich es tue. Er hat mich mein Fernweh vergessen lasse.
  2. Der Umzug. Wir haben unser eigenes Haus verkauft und sind 20km weitergezogen. Also nicht viel. In meinem neuen Ort fühle ich mich auch nicht sonderlich daheim, doch das neue Haus mit seinem großen Garten, meinem zusätzlichen Malzimmer und gefühlt unendlich viel Platz ist da anders. Ich liebe es hier.

Für mich war es Jahre lang eine große Sehnsucht anzukommen und heute bin ich dem ein Stück näher. Nichtsdestotrotz kann ich Stillstand nicht leiden, freue mich über Veränderung und kann es kaum erwarten zu studieren. Dann geht es endlich in eine Großstadt und ich kann mein Zuhause suchen gehen. In der verbleibenden Zeit genieße ich das neue Haus, die Momente mit meinem Freund in welchen ich das Thema eh vergesse und freue mich auf kommende Urlaube (Rom!!!!!).

Zu den Outtakes geht es hier.